Was ist Mobbing?

Das Phänomen ist nicht neu – schon immer wurden Kinder von anderen Kindern gequält. Neu ist das Wort dafür: „Mobbing“. Es kommt aus dem Englischen und bedeutet „sich gegen einzelne zusammenrotten“. Den meisten Erwachsenen ist das Wort „Mobbing“ mittlerweile aus der Arbeitswelt vertraut, wo ja auch recht munter gemobbt wird. Doch erst allmählich dringt die Tatsache, welch ein riesiges Problem Mobbing in der Kinderwelt darstellt, in die Öffentlichkeit.

Mobbing ist ein häufiges, aber schlimmer Weise ein oft heimliches Problem. Es beginnt schon damit, das selbst viele Eltern, deren Kinder gemobbt werden, dies gar nicht mitbekommen: Nur 50% aller Eltern erfahren es, wenn ihr Kind gemobbt wird. Und nur 33% der Lehrer! Dabei ist Mobbing wirklich weit verbreitet, wie einige Untersuchungen beweisen.

Eine Jugendgesundheitsstudie, die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2002 durchgeführt wurde, kam zu dem Ergebnis, das 30% der Schüler in Berlin schon einmal gemobbt wurden. Noch erschreckender war die Aussage von 41% der befragten Schüler und Schülerinnen, selbst schon einmal gemobbt zu haben.

Mobbing kommt in allen Schichten, Altersgruppen und Schultypen (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium) vor. In jedem Falle sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen.

 

Mobbing hat viele Formen

Doch was genau ist denn nun Mobbing? Welcher Art sind die Schikanen, die Kinder Kindern antun? Ähnlich wie bei Mobbing in der Arbeitswelt geht es vor allem um Taten, die das soziale
Ansehen des Opfers schwächen und es ausgrenzen sollen:

  • Jemanden nicht beachten, nicht mitspielen lassen, ausgrenzen,
  • jemanden beleidigen („Du bist so dumm/hässlich/fett …“, Schimpfwörter benutzen, fiese Spitznamen geben),
  • non-verbale Beleidigungen (Augen rollen, Brechgeräusche machen, Gesten),
  • „Redeverbot“ auferlegen und anderen verbieten, mit der Person zu reden,
  • anschreien,
  • verspotten und imitieren (sich über das Aussehen, die Herkunft, die Sprechweise und Ähnliches lustig machen),
  • bedrohen, Angst machen,
  • bei der Arbeit behindern (Heft wegnehmen, Stifte zerbrechen),
  • vor den Lehrern schlecht machen, verpetzen, auch Lügen erzählen,
  • Gerüchte verbreiten (gern über die Intelligenz, das sexuelle Verhalten oder angebliche Geheimnisse anderer Kinder).

 

Da Kinder aber nicht so subtil wie Erwachsene, sondern sehr viel direkter sind, kommt es schnell auch zu handfesten Taten, vor allem bei Jungen. Mädchen können auch sehr gewalttätig sein, belassen es aber häufig bei den oben genannten Schikanen. Zu den Gewalttätigkeiten zählen:

 

  • Treten, schlagen, schubsen, mit Sand bewerfen,
  • im Klo einsperren, Stuhl wegziehen, Hose runterziehen und andere als „Scherz“ getarnte Untaten,
  • erpressen (Kinder müssen Sachen hergeben, Geld zahlen oder erniedrigende „Dienste“ verrichten),
  • Einsatz von Internet oder Handys: Es werden Webseiten mit verunglimpfenden Inhalt über einzelne Personen ins Netz gestellt oder SMS-Nachrichten übers Handy verbreitet (in letzter Zeit werden auch vermehrt Gewaltübergriffe mit dem Handy „gefilmt“ und an andere Jugendliche versandt),
  • bestehlen
  • sexuelle Gewalten,
  • Zerstörung von Eigentum,
  • bis hin zu Messerstechereien oder der Benutzung von anderen Waffen.

 

Wer wird Opfer von Mobbing?

Das „typische Mobbing-Opfer ist ein eher unscheinbares, stilles und ängstliches Kind, das nur wenige Freunde und auch keine hohe Meinung von sich selbst hat. Das heißt aber nicht, dass Ihr Kind, sollte es von Gewalt und Mobbing betroffen sein, in dieses Schema hineinpassen muss. Oft sind es auch die Schüler und Schülerinnen mit den guten Noten oder den wohlhabenden Eltern, die den Neid der anderen wecken. Auffällig ist auf jeden Fall, dass die Opfer physisch oder sozial schwach sind, das heißt, sie sind entweder körperlich unterlegen und somit eine leichte Zielscheibe oder sie sind so isoliert, dass die Angreifer keine Konsequenzen zu fürchten haben. Der Grund für das Mobbing ist das Ungleichgewicht von Stärke und Macht, das die Angreifer ausnutzen.

Daneben gibt es auch das Mobbing, das von Lehrern oder der Schule ausgeht. Dies ist der Fall, wenn einzelne Schüler regelmäßig von Lehrern gedemütigt, vor anderen lächerlich gemacht oder als dumm dargestellt werden. Manche Kinder bekommen, egal, wie sehr sie sich anstrengen, nie ein lobende Wort zu hören oder gar eine gute Note. Allerdings handelt es sich nicht immer, wenn ein Kind sich ungerecht behandelt fühlt, bereit um Mobbing. Es werden aber auch Lehrer von Kindern gemobbt.

 

 

Bedingungen für Mobbing:

Ganz allgemein kann gesagt werden, dass ein Kind gemobbt wird, wenn die folgenden Bedingungen gegeben sind:

  • Das Kind wird von einem anderen Kind (oder Lehrer) oder von mehreren Kindern (oder Lehrern) systematisch angegriffen oder schikaniert.
  • Diese Angriffe erstrecken sich über einen längeren Zeitraum
  • Die Angreifer demonstrieren reale oder angemaßte Macht dem Opfer gegenüber.
  • Das angegriffene Kind fühlt sich schikaniert, angegriffen oder gedemütigt und leidet darunter.